Fußwallfahrt Arpe – Werl
vom 03. – 05. Juli 2009
Reisebericht
Am Freitag, dem 03. Juli 2009, begann um 10.45 Uhr die diesjährige Fußwallfahrt mit dem gut besuchten Pilgeramt in der St. Antonius Kirche in Arpe. In seiner sehr persönlichen Ansprache zeigte sich Pastor Schwenke beeindruckt von den Strapazen, welche die Pilger auf sich nehmen. Verbunden mit den Wünschen für einen guten und sicheren Weg sowie einen harmonischen Verlauf erteilte er den Wallfahrern den Pilgersegen. Gleichzeitig bat er, die Anliegen der daheim Gebliebenen mit nach Werl zu nehmen.
Beim gemeinsamen Gebet zu Beginn erläuterte der Leiter der Wallfahrt, dass während der kommenden zwei Tage kleine Gebete und Impulse an verschiedenen Stationen dazu anregen sollen, in der freien Natur über sich, Gott und die Welt nachzudenken. Die Texte sind diesem Reisebericht angehängt.
Begleitet von zwei Sanitätern des Malteser Hilfsdienstes aus Oedingen machten sich 25 Pilgerinnen und Pilger auf den Weg, darunter auch viele, die erstmalig an dieser Wallfahrt teilgenommen haben. Schwül warmes Wetter mit drückend heiße Temperaturen waren die Strapazen des Tages. Neben den regulären Pausen gab es mehrfach Gelegenheit zum Trinken. Rosenkranzgebete und Gesang stärkten die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl. Der Weg wurde stets von bangen Blicken gen Himmel und der Frage nach einem drohenden Gewitter begleitet. Auf dem Höhenzug vor Meinkenbracht (Birkenbruch) wurde die Befürchtung letztendlich Realität. Die Pilger gerieten in ein Unwetter bislang nicht gekannten Ausmaßes: Sturm, Hagelschauer, Blitz und Donner gingen über der Gruppe ein, die der Situation mitten im Wald schutzlos ausgeliefert war. Trotz Schirmen und Regenjacken waren viele bis auf die Haut durchnässt.
Den Sanitätern des Malteser Hilfsdienstes und der Familie Eickhoff aus Meinkenbracht gelang es, die Pilger im Wald ausfindig zu machen und sie mit Fahrzeugen zum Hof Eickhoff zu transportieren. Dort waren bereits alle Türen geöffnet, Handtücher und Föne lagen bereit. Dank dieser Hilfe hatten alle Wallfahrer Gelegenheit, sich umzukleiden; heißer Kaffee und leckerer Erdbeerkuchen sorgten anschließend für Wohlbehangen.
Der Blumenstrauß, der Frau Margret Eickhoff (geb. Esleben aus Selkentrop) zu ihrem 50. Geburtstag nachträglich überreicht wurde, wandelte sich so zu seinem Symbol der Dankbarkeit für die beispiellose Hilfsbereitschaft der Familie Eickhoff. Diese Hilfe hat ganz wesentlich dazu beigetragen, dass die gute Stimmung in der Pilgergruppe trotz des Unwetters erhalten blieb.
Die letzte Tagesetappe nach Westenfeld wurde flugs absolviert, zumal die Drillingskinder und ein weiteres Mädchen aus Meinkenbracht die Pilger auf der letzten Etappe begleiteten. Das Glockengeläut der Pfarrkirche St. Agatha in Westenfeld versprühte ein herzliches Willkommen.
Die Begrüßung von Pastor Spannenkrebs und sein Segen zum Abschluss des ersten Tages waren wohltuende Wärme für den ein oder anderen frierenden Wallfahrer. Das gemeinsame Abendessen im Gasthof sowie die fürsorgliche Bewirtung der ganzen Familie Funke ließen die Strapazen des Tages und des Unwetters schnell vergessen.
Ganz wesentlich halfen auch die Westenfelder Gastfamilien, die zum Teil die Kleidung der Pilger in Waschmaschinen stopften und dafür sorgten, dass die Wanderschuhe über Nacht trocknen konnten. Das Wetter war Thema genug, für Gespräche vor dem Schlaf.
So als wäre nichts gewesen, erschienen die Pilger am nächsten Morgen zum herzhaften Frühstück im Gasthof Funke. Witze über das ein oder andere körperliche Leid signalisierten eine gute Stimmung beim Aufbruch um 06.00 Uhr. Zwei weitere Pilger füllten die Reihen der 2. Etappe auf. Ein herrlicher Sonnenaufgang über Westenfeld und die weiten Ausblicke auf den Höhen des Arnsberger Waldes schafften eine wunderbar friedliche Atmosphäre für den morgendlichen Weg. Glockengeläut in der dörflichen Stille von Wennigloh erzeugte Gänsehautgefühl. „Läuten die für uns?“ fragten manche überrascht.
Die Glocken läuteten tatsächlich nur für die Pilger aus Arpe. Nicht nur in Wennigloh sondern überall an der Strecke gibt es viele hilfreiche Hände, die sich der Arper Wallfahrt seit Jahren verbunden fühlen und dieses Ereignis Jahr für Jahr unterstützen. Auch wenn sich die Gespräche mit den Helferinnen und Helfern unterwegs auf wenige Minuten beschränken müssen, so sind sie immer wieder von Herzlichkeit geprägt. Schöne Begegnungen – die dauerhaft sind.
Weiter verläuft der Weg von Wennigloh aus Richtung Ruhr. Die Stille des Waldes und den Geist der Wallfahrt hat jeder spätestens erlebt, als auf einem wunderschönen Pfad im Arnsberger Wald alle schwiegen und Stille war. 45 Minuten eintauchen in die Natur, in den eigenen Körper und die eigenen Gedanken. In der Gemeinsamkeit der Gruppe für sich sein – ein beeindruckendes Erlebnis. Doch wie der Schritt in eine andere Welt tritt man aus der Ruhe des Waldes in die städtische Lebhaftigkeit von Hüsten ein. Das Glockengeläut von St. Petri signalisierte, dass die Pilger aus Arpe erwartet wurden – eine schöne Geste.
Die Mittagspause von einer Stunde war wohltuend. Auch deshalb, weil Familie Sandermann die Pilger mit einer leckeren Gemüsesuppe, einem erfrischenden Erdbeerquark und heißem Kaffee verwöhnte. Da fiel es schwer, wieder aufzustehen. Um 11.30 ging der Fußmarsch weiter – die Mittagssonne brannte vom Himmel, der bisherige Schutz des Waldes musste den Gefahren entlang viel befahrener Straßen weichen. Auf dem nicht enden wollenden Ruhrtalradweg entlang der Ruhr bis hinter Neheim führt ein anstrengender Teerweg. Erst dann geht es wieder in ein Waldstück – den Totenberg. Der Wallfahrtsleiter witzelte, dass der Berg nur so heißt, aber nicht hält, was er verspricht.
Anstrengend ist der lang gezogene Anstieg dennoch. Bei der anschließenden Rast mussten erste kleine Wunden versorgt werden. Die hielten aber niemanden davon ab, die restlichen zwölf Kilometer zu laufen. Durch die Wohnsiedlung von Lüttringen entlang der „Waterlappe“ führte der geteerte Weg auf den Haarstrang zu, dem letzten Anstieg dieser Wallfahrt. Von der Höhe fällt der Blick auf Werl und die Türme der Wallfahrtsbasilika. Das machte Hoffnung für die letzten sechs Kilometer.
Der Weg führt nicht direkt nach Werl – ein kleiner Abstecher auf den Hof der Familie Rüsse auf der Blumenthaler Haar wird mit leckerem Kuchen und viel Tee zum Trinken entschädigt. Jeder konnte sich erfrischen für das letzte Stück auf dem Weg zur Mutter Gottes.
Vor dem Aufbruch zur letzten Etappe bedankte sich der Wallfahrtsleiter bei allen Wallfahrern und den Sanitätern für die harmonische Wallfahrt und den guten Gemeinschaftssinn. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe hat jedem Einzelnen geholfen, das Ziel zu erreichen und die Gefahren des Wetters und des Weges auszuhalten. Der letzte Rosenkranz der Wallfahrt wurde für die ganz persönlichen Anliegen jeder Pilgerin und jedes Pilgers gebetet.
Die Rosenkränze zuvor galten
-dem guten Gelingen der Wallfahrt
-all denen, die zu Beten aufgetragen hatten
-den Gemeinden, durch die der Pilgerweg führt
-allen Helfern, Quartiergebern und Gastfamilien
-den alten und kranken Menschen, die zu Hause bleiben mussten
-den Familien der Pilger
-den verstorbenen Angehörigen
-dem Frieden in der Welt
In Werl wurden die Wallfahrer prächtig empfangen. Ein Pater des Wallfahrtsklosters in Begleitung von Messdienern mit Fahnen holten die Wallfahrer in der Fußgängerzone ab und führten sie zur Mutter Gottes in der Basilika. Eine herzliche Geste, die manchem die Stimme verschlagen hat. Das Läuten der Glocken der Wallfahrtsbasilika und der Anblick vieler Angehöriger und Gemeindemitglieder auf den Treppenstufen vor der Basilika bereiteten einen feierlichen Empfang. Der Klang der Orgel und der Blick auf das Gnadenbild der Mutter Gottes von Werl ließen die Last und Anstrengung von zwei Tagen Fußwallfahrt vergessen. Angekommen!
Herzliche Worte zur Begrüßung in einer feierlichen Andacht vermittelten ein Gefühl der Glückseeligkeit. Die Szene des kleinen Marcel, der als jüngster Pilger mit 12 Jahren die Wallfahrtskerze vor dem Gnadenbild anzünden durfte, rührte zu Tränen.
Nach dem Eintrag in das Pilgerbuch konnten endlich die Angehörigen begrüßt und umarmt werden. Das Matratzenlager im Jugendheim der Probsteikirche wurde schnell eingerichtet. Frau Ferber von der Pfarrgemeinde der Propstei hatte wie in jedem Jahr bereits alles vorbereitet. Trotz der Entfernung zwischen Arpe und Werl war es den Wallfahrern nicht entgangen, dass sie wenige Monate zuvor ihren 70. Geburtstag gefeiert hat. Ein Blumenstrauß als Geburtstagsgeschenk war eine nette Überraschung.
Die Teilnahme an der Begrüßungsandacht mit dem Einzug der Pilger aus Much (180 Teilnehmer einer 3-Tages-Strecke von 150 KM) sowie an der Lichterprozession waren weitere Höhepunkte an diesem Samstag. Besonders schön war auch, den Tag auf der Terrasse vor dem Jugendheim gemeinsam ausklingen zu lassen. Die Stadtprozession am Sonntag mit dem Festhochamt im Klostergarten und dem Einzug in die Basilika ist an Prunk und Feierlichkeit kaum zu überbieten. Die Predigt von Bischof Bode aus Hildesheim hat manchen Gottesdienstbesucher tief bewegt.
Im Rahmen der Abschlussandacht gab es für die Arper Pilgergruppe noch eine Überraschung: Hubert Sapp wurde von Pater Ralf Preker mit der silbernen Anstecknadel des Franziskanerklosters Werl für seine 25. Fußwallfahrt ausgezeichnet.
Damit war die Wallfahrt beendet; aber nicht für jene Gruppe von 2 Männern und 3 Frauen sowie einem Begleitfahrzeug, die sich nach der Schlussandacht zu Fuß auf den Heimweg nach Arpe machten. Der zweitägige Rückmarsch mit Zwischenübernachtung in Arnsberg war für diese Gruppe noch mal ein besonders intensives Gemeinschaftserlebnis, dass jeden mit Stolz erfüllte. Sie kehrten am Montagabend um 18.00 Uhr begleitet vom Geläut der Arper Kirche wohlbehalten nach Hause zurück. Und trotz der Strapazen freuten sich alle auf die Wallfahrt im kommenden Jahr.
Anhang:
Beginn der Wallfahrt / St. Antonius Arpe
Herr unser Gott, wir haben uns hier versammelt, um aufzubrechen zum Gnadenbild der Mutter Gottes in Werl. Bei diesem sonnig heißen Wetter heute Morgen wird bei vielen der Gedanke vorherrschen: „Schaffe ich das?“ Ich bin mir sicher, wir alle schaffen das - gemeinsam!
Vielleicht lässt sich die Sorge um die Anstrengung des Weges ein wenig zur Seite schieben, denn diese 26. Fußwallfahrt bietet die Gelegenheit, dass jeder für sich den Sinn seiner persönlichen Wallfahrt hinterfragt. Jeder Pilgerweg ist auch Suche nach Veränderung, ein Suchen nach neuen Einsichten, die uns voran bringen - auf dem Weg zum Ziel. Kein Pilger geht den Weg allein, er braucht Menschen, die ihn beherbergen oder er macht sich mit anderen gemeinsam auf den Weg. Die Gemeinschaft ist Stütze und Hilfe; sie macht Mut, auch dann weiterzugehen, wenn es schwierig wird.
Pilgern ist heißt:
-sich aufmachen, aus dem Alltag herausgehen,
Altes liegen lassen, der Sehnsucht Raum und Zeit geben.
-in Bewegung kommen, in Einfachheit losgehen,
den Schritt ins Neuland wagen.
-Unterwegs innehalten, nach rechts und links schauen,
sensibel werden für die ganze Welt.
-Mich selber bewusst wahrnehmen, frei und aufmerksam werden,
den Horizont weiten.
-Das Wesentlich neu erkennen, Werte reflektieren,
Lebenserfahrungen und Lebensweisheiten vertiefen.
-Den Blick nach oben richten, mit meinem Gott ins Gespräch kommen,
anklagen, bitten, danken, loben und preisen.
-Kräfte sammeln, ankommen am Ziel, auftanken und sich beschenken lassen, wieder zurückkehren an den Ausgangsort,
neu ansetzen.
Bei dieser Wallfahrt sollen kleine Gebete und Impulse an verschiedenen Stationen dazu anregen, an zwei Tagen in der freien Natur über sich, Gott und die Welt nachzudenken.
Wir beten gemeinsam das Gebet des Herrn:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Namen, dein ….
Der Herr sei vor dir, um dir den rechten Weg zu zeigen.
Der Herr sei neben dir, um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen.
Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen.
Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen, wenn du fällst, und dich aus der Schlinge zu ziehen.
Der Herr sei in dir, um dich zu trösten, wenn du traurig bist.
Der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen, wenn andre über dich herfallen.
Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.
So segne uns der gütige Gott.
Im Namen des Vaters …
Kückelheim / Obersalwey
Nachdem jetzt zwei Berganstiege bewältigt sind und manch einer seinen Körper intensiver spürt,
werden Segenswünsche für die verschiedenen Körperteile deutlicher wahrgenommen:
Ich wünsche dir Gottes Segen - für deine Zehennägel,
damit sie sich nicht einrollen, wenn dir jemand mal wieder Unsinn erzählt.
Ich wünsche dir Gottes Segen - für deine Beine,
damit sie standfest bleiben, wenn Anfechtungen dich treffen.
Ich wünsche dir Gottes Segen - für dein Hinterteil,
damit du unwichtige Dinge aussitzen lernst.
Ich wünsche dir Gottes Segen - für deinen Rücken,
damit er breit genug ist, wenn du alles Mögliche aufgeladen bekommst.
Ich wünsche dir Gottes Segen - für deinen Bauch,
damit du nicht alles in dich hinein frisst, und dir schmerzhaftes Bauchgrimmen erspart bleibt.
Ich wünsche dir Gottes Segen - für deine Galle,
damit sie dir nicht überläuft und dich vergiftet, wenn du Ärger hast.
Ich wünsche dir Gottes Segen - für deine Hände, damit sie zupacken,
wo deine Hilfe nötig ist.
Ich wünsche dir Gottes Segen - für deine Haut,
damit du die Zärtlichkeit wahrnimmst, wenn ein lieber Mensch dich berührt.
Ich wünsche dir Gottes Segen - für deinen Hals,
damit dir die Worte nicht stecken bleiben, wenn deine Meinung wichtig ist.
Ich wünsche dir Gottes Segen - für deinen Mund, damit du ihn hältst,
wenn du nicht gefragt bist.
Ich wünsche dir Gottes Segen - für dein Gehör,
damit du es nicht auf Durchzug stellst, wenn Menschen dein Ohr brauchen.
Ich wünsche dir Gottes Segen - für deine Augen,
damit du sie nicht verschließt, vor dem Leid und dem Schmerz in der Welt.
Ich wünsche dir Gottes Segen - für dein Gesicht,
damit du lächeln kannst, auch wenn die Sonne nicht scheint.
Ich wünsche dir Gottes Segen - für dein Herz,
damit es am rechten Fleck schlägt, für die Menschen, die dir nahe stehen.
Ich wünsche dir Gottes Segen - für deine Seele,
damit du sie dann baumeln lassen kannst, wenn du Ruhe und Erholung nötig hast.
Ich wünsche dir Gottes Segen - für deinen Kopf,
damit dir auch ab und zu das Beten in den Sinn kommt,
denn nur wenn du dein Leben in Gott verankerst,
wird der Segen Gottes an dir sichtbar werden.
Meinkenbracht / Hof Eickhoff
Nach wir nun ein gutes Stück unserer Tagesetappe gegangen sind, kann man die Frage nach dem persönlichen Lebensweg stellen.
Meinen Weg finden - will ich das wirklich?
Hätte ich nicht lieber jemanden, der mir sagt wohin?
Auf mich hören - meine Gedanken ordnen,
meine Richtung unterscheiden - Verantwortung für mich übernehmen,
das ist oft mühsam!
Viele Widerstände stellen sich entgegen - Angst taucht auf!
Lohnt sich das wirklich? Werde ich den Weg nicht verfehlen?
Gibt es das: meinen Weg? Ist nicht doch alles zufällig, sinnlos?
Ich finde keine Antwort. Nur eins hilft:
Schritt für Schritt gehen -immer wieder anfangen.
Vertrauen auf die Zusage Gottes, der gesagt hat:
"Ganz nahe ist dir das Wort. In deinem Mund und in deinem Herzen ist es,
so dass du danach tun kannst." (Dt 30,14)
Gott ist in mir und zeigt sich durch das, was ich bin.
Westenfeld / Pfarrkirche St. Agatha / Tagesabschluss:
Bevor wir gleich auseinander gehen und in verschiedenen Häusern bei Gastfamilien Quartier beziehen, habe ich zum Abschluss unserer Tagesetappe noch einige Gedanken für einen schönen Traum - einfach zum Nachdenken.
Wenn einer allein träumt, ist es nur ein Traum.
Wenn viele gemeinsam träumen, ist das der Anfang einer neuen Wirklichkeit.
Ich träume von einer Welt, in der Menschen “menschlich“ miteinander leben können,
von einer Zeit, in der keiner den anderen bekämpft,
weil alle in dieselbe Richtung blicken,
von einer Welt, die Platz hat für alle - und Brot.
Von einer Zeit träume ich, in der das Teilen mehr gilt als das Haben,
von einer Welt, die nicht mehr besessen, ausgebeutet, zerstört wird.
In der jeder seine Chance hat, weil keiner ist, der sie ihm neidet.
Von einer Welt träume ich, in der keiner allein ist, wenn er weint,
keiner stirbt im Abstellraum.
Von einer Zeit, in der die Zeitungen und auch die Tageschau nichts mehr
vom Unglück zu sagen wissen, weil das Miteinander interessanter geworden ist als der Konflikt.
Ich träume von einer neuen Welt –
ich kann sie nicht machen –
aber den ersten Schritt, meinen Schritt, kann ich tun …..
Leben blüht auf
wo Menschen einander helfen, einander verzeihen, miteinander reden.
Leben blüht auf, wo Menschen einander anlächeln, einander zuhören,
einander akzeptieren.
Leben blüht auf, wo Menschen sich für andere einsetzen,
für andere aussetzen und für sie sammeln.
Wo immer Menschen Gottes Liebe weiterschenken, sich um andere sorgen,
verstehen und nicht verurteilen - mit dem Herzen sehen
barmherzig sind - bereit zu dienen
mit langem Atem das Unrecht bekämpfen
Bedrückte aufrichten, teilen und Anteil nehmen
begleiten und hören, ermutigen und trösten
oder einfach schweigend zur Seite stehen,
da bricht das Licht der Liebe durch alles Dunkel
da leuchtet Gottes Güte auf, da wächst Friede.
Wennigloh / Pfarrkirche Franziskus Xaverius:
Vor zwei Stunden, in aller Herr Gott´s Früh, haben wir uns in Westenfeld aufgemacht zur letzten Etappe nach Werl. Was bedeutet eigentlich, sich aufzumachen?
Ich mache mich auf
und verlasse meine gewohnten Bahnen.
Nicht nur die Füße setzen sich in Bewegung,
nach und nach kommt Bewegung in mich,
in mein Denken, mein Fühlen und Tun.
Es tauchen Dinge auf und verschwinden wieder.
Der Rhythmus des "Weitergehens" trägt mich.
Meine Antennen sind auf Empfang,
es bedarf immer weniger Worte.
Mehr und mehr sehe ich die Schönheit um mich
auch in mir,
komme mehr und mehr in Kontakt mit mir
und der Schöpfung.
Hüsten / Pfarrkirche St. Petri
Gemeinsam unterwegs sein –ein paar Gedanken dazu:
Herr,
ich bin unterwegs – mit anderen.
Ich möchte sie mitgehen lassen – aber ich habe selber Probleme, Fragen, Sorgen und oft nicht, wie mein Weg weitergeht.
Ich möchte sie mit leben lassen – aber ich fühle mich oft überfordert.
Ich möchte die Fragen anderer hören – und höre oft nur die meinen.
Ich möchte anderen Mut und Hoffnung machen – und spüre selber die Angst in mir.
Ich möchte andere nicht abhängen und stehen lassen – und ich schleppe mich selbst dahin.
Ich möchte anderen sagen, dass Du der Weg und das Leben bist – und ich kann es selber nur ahnen.
Ich möchte …
Ich möchte …
Und trotzdem, Herr, möchte ich den Weg wagen, der zu den Menschen geht.
Es wird ein Weg mit Rückschlägen, Enttäuschungen und Umwegen sein, aber auch ein Weg der Freude und neuer Erfahrungen. Ich möchte den „Weg“ zu den Menschen gehen, weil sich dadurch für andere vielleicht eine Welt ändern kann.
Ich möchte den Weg gehen,
-weil du den Weg zu uns Menschen gegangen bist
-weil du einer von uns geworden bist
-weil wir dadurch wissen, dass der Weg sinnvoll ist – und ein Ziel hat
-weil wir auf dem Weg vielleicht auch Dir begegnen.
Blumenthaler Haar / Hof Rüsse
Kurz vor Erreichen unseres Ziels kann man zurück blicken auf den Weg, den wir gemeinsam gegangen sind. Jeder kann auch für sich zurückblicken, wir er diese Wallfahrt erlebt hat und was sie bewirkt hat. Für die Zukunft seinen gute Wünsche mit auf den Weg gegeben:
Ich wünsche dir, dass du mutig genug bist,
die Mauer des Schweigens zu durchbrechen
und den ersten Schritt zu wagen,
um eine Brücke über den Graben zu schlagen.
Ich wünsche dir, dass du stark genug bist,
deine eigenen Fehler einzugestehen,
und dich nicht länger schämen musst
für deine Schuld.
Ich wünsche dir, dass deine Liebe groß genug ist,
zuzuhören, wo die Not des anderen liegt,
der dir so weh getan hat,
dass du verstehen und vergeben kannst.
Ich wünsche dir, dass du mutig genug bist,
den ersten Schritt zu wagen,
um eine Brücke über den Graben zu schlagen.