Die Kapelle St. Laurentius, Ebbinghof
Die
Kapelle in Ebbinghof war wohl ursprünglich eine Hofkapelle. Sie stand auf dem
Grund und Boden des damaligen Einhofes Ebbinghof, der erstmalig 1284 genannt
wurde. Das zur Burg Fredeburg lehenshörige Gut war im Besitz der Erzbischöfe
von Köln. Der Burgherr von Fredeburg ließ auf dem Hof den Vogt wohnen. Die
Familie Vogt (Vogedes) wird wohl die Kapelle errichtet haben. Sie stand im
heutigen Garten des Hofes Muth-Köhne, im Jahre 1610 war sie dem hl. Antonius
dem Einsiedler und der hl. Luzia gewidmet.Im
Innern der Kapelle fällt zunächst der schöne Kreuzweg aus der Zeit um 1915 ins
Auge. Seine Herkunft
blieb bisher unbekannt. Der Altar soll nach einem Entwurf
des Aachener Prof. Buchkremeraus Eichenholz angefertigt worden sein. Deutlich
stellt er durch die Buchstaben S L im unteren Teil den Bezug zum neuen
Kapellenpatron, dem hl. Laurentius dar. Als Wandfigur und als Altarbild wird er
in Ebbinghof dargestellt. In den Zeiten der Christenverfolgung soll er von den
Häschern des römischen Kaisers Valerian auf einem glühenden Eisenrost qualvoll
zu Tode gefoltert worden sein. Eine weitere Figur stellt den hl. Franziskus
Xaverius dar, dem zweiten Patron der Kapelle. Ihm gegenüber steht als zweite
Altarfigur der hl. Antonius von Padua, dargestellt als Mönch mit Kind auf dem
Arm.
An der rechten Chorwand schließlich der "Schatz" der Kapelle. Eine
spätgotische Eichenholzskulptur, vermutlich aus dem 15. Jahrhundert. Sie zeigt
drei Personen: Anna, die Mutter Marias, die Gottesmutter selbst und das
Jesuskind. Diese "Anna selbdritt" gab der verstorbene Pfarrer
Bernhard Starke zur Restaurierung und Konservierung nach Paderborn, da er sie
als sehr wertvoll einschätzte. Die Fachleute gaben ihm Recht und die Skulptur
kam in die Dauerausstellung des Diozösan-Museums in Paderborn. Die
Kapellengemeinde Ebbinghof erhielt einen Kunstharzabdruck dieser wertvollen
Figur. Die Frage, wie ein derartiger Kunstschatz in diese kleine Dorfkapelle
kam, wird wohl ein Rätsel bleiben.
Der letzte Krieg hinterließ in der Kapelle bis heute sichtbare Spuren der
Gewalt. Tiefe Einschüsse im Fußboden und in den derben ca. 300 Jahre zählenden
Eichenbänken (sie sollen schon in der Hofkapelle gestanden haben) lassen noch
die Schrecken der damaligen Zeit spürbar werden. Zerstört wurden die Fenster,
die, ebenso wie die Ausmalungen an Decke und Seitenwänden, nach dem Krieg
ersetzt bzw. neu angebracht wurden. Das Schicksal der Glocke ist nicht mehr
lückenlos nachvollziehbar. Sicher ist nur,dass sie aus dem Turm herabgelassen
und zum Einschmelzen gebracht wurde.
Seit 1959 wird die Glocke elektrisch betätigt. Der damalige Pfarrer in
Fleckenberg, Paul Peitz (ein Bruder des aus Lochtrop gebürtigen Josef Peitz)
überzeugte die Dorfgemeinschaft schon recht früh von den großen Vorteilen
dieser modernen Einrichtung. Die großen Jungen des Dorfes, deren Aufgabe
morgens, mittags und abends das Läuten des "Engel des Herrn" war,
beklagten sich jedenfalls nicht über den Zugewinn an Freizeit.
Die Kapelle wurde inzwischen renoviert. Dach und Außenfassade sollen ebenso wie
der Innenraum wieder
hergerichtet. Doch wird, wie schon 1915, noch gesammelt.
Wie in anderen Orten der Gemeinde wird der Dienst in und um die Kapelle
gleichmäßig auf die fünf Familien des Dorfes verteilt. Der Wechsel in der
Verantwortung erfolgt zum Weihnachtsfest. In Ebbinghof wird das Patronatsfest
des hl. Laurentius eher still innerhalb der Familie gefeiert, da der 10. August
in der Erntezeit etwas ungünstig für eine große Kirmes liegt.
