22.05.2011
Theresa Voß ist seit August 2010 als Missionarin auf Zeit in Malawi! Märzrundbrief angekommen! Bitte klicken Sie auf Weiter!!
7. Rundmail vom 22.05. 2011
Hallo ihr Lieben,
es tut mir Leid, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe, aber es gab in letzter Zeit viel zu tun und kurz vor Ostern ist das Ladekabel meines Laptops kaputt gegangen, sodass ich für mehr als 2 Wochen meinen Laptop nicht nutzen konnte.
Die letzten Wochen vor den Ferien waren recht unspektakulär, daher werde ich darauf nicht mehr eingehen. In den Ferien habe ich am Montag (11.April) ein freiwilliges Praktikum bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Lilongwe begonnen. Von Montag bis Donnerstagmorgen war ich im Büro tätig. Am Donnerstag sind wir nach dem Mittagessen nach Blantyre gefahren, da dort ein Workshop stattfand. Die YPU (Young Politician Union), eine parteiübergreifende Jugendorganisation, haben sich bei diesem Workshop über ihre Ziele, Ideale und Pläne für die Zukunft Gedanken gemacht. Neben der YPU waren die „Alumni“ vertreten, ehemalige Mitglieder der YPU, die 35 Jahre und älter sind. Sie haben den Jugendlichen erklärt, was sie in den Jahren ihrer Mitgliedschaft erreicht haben. Außerdem ging es darum wie die YPU und Alumni in Zukunft zusammen arbeiten können. Den Workshop fand ich sehr interessant und habe auch für mich einiges mitnehmen können. Am Sonntagmorgen sind wir zurück nach Lilongwe gefahren. Insgesamt hat mir das Praktikum gut gefallen und ich bereue es nicht eine Woche meiner Ferien dafür „geopfert“ zu haben.
Kurz vor den Ferien hat uns eine Frau in unserem Projekt besucht, die für weltwärts an einer Evaluation arbeitet. Von ihr habe ich die Handynummer einer Freiwilligen in Lilongwe bekommen, mit der ich mich während meiner Praktikumszeit mehrfach getroffen habe. Durch sie habe ich noch 2 andere Freiwillige aus Lilongwe kennen gelernt. Wir haben uns viel über unser Leben in Malawi unterhalten und haben festgestellt, dass sich das Leben in der Stadt stark von dem Leben in Madisi unterscheidet. Madisi ist offiziell kein Dorf, sondern ein „Trading Center“, aber das Leben gleicht mehr dem in einem Dorf. Ich habe es während meiner Zeit in Lilongwe genossen mehr Möglichkeiten zu haben, sich zum Beispiel zum Essen in einem Restaurant treffen zu können oder abends feiern zu gehen, aber ich bin froh, dass ich in Madisi lebe und nicht in Lilongwe.
Ostern in Malawi war schön, aber mir haben die Gottesdienste an Weihnachten besser gefallen. An der Karfreitagsprozession haben Resa und ich nicht teilgenommen, da wir wussten, dass sie sehr lange dauert und durch die pralle Sonne führt. Christina ist dennoch mitgegangen. Die Prozession begann um 9 Uhr mit einem Theaterspiel und ging bis kurz vor 3. Im Anschluss daran fand um 3 Uhr ein Gottesdienst statt, der gegen 5 Uhr endete. Ich hätte gerne eine Prozession in Malawi erlebt, aber im Nachhinein war ich froh, dass ich nicht teilgenommen habe, da ich nicht weiß ob ich eine 6-Stunden Prozession durchgehalten hätte.
Ostersonntag kamen wir um 10 Uhr zur Kirche, da uns gesagt wurde, dass um 10 Uhr der Gottesdienst beginnt. Da dies der 2. Gottesdienst war und die meisten schon früher zur Kirche gekommen sind, haben wir nur noch einen Sitzplatz in der letzten Reihe bekommen. Dort war es sehr unruhig. An Weihnachten hat es mich sehr beeindruckt, als das Kind auf einem Korb mit dem Evangelium in der Hand auf dem Kopf einer Frau nach vorne getanzt wurde, aber am Ostersonntag habe ich es nicht mehr als sehr beeindruckend wahrgenommen. Ich weiß nicht ob es daran lag, dass ich es schon ein Mal gesehen hatte oder ob es daran lag, dass wir ganz hinten im unruhigen Teil der Kirche gesessen haben.
Danach haben wir bei den Schwestern gegessen und jede von uns hat einen Teller mit gekochten Ostereiern und bunten Schokoladeneiern bekommen. Hier in Malawi sind der Glaube an den Osterhasen oder die Tradition des Eier-Versteckens nicht üblich. Ein paar Lehrer kannten es von den Schwestern, aber es wird nicht praktiziert. Für die Menschen läuft dieser Feiertag wie jeder andere kirchliche Feiertag ab: Sie gehen in den Gottesdienst und gönnen sich besseres Essen, wenn sie es sich leisten können.
Ostermontag bin ich mit ein paar Lehrern zu einem Chor-Festival in einem 10 km entfernten Dorf gegangen. Es sollte um 8 Uhr beginnen, hat letztlich aber erst um 12 Uhr begonnen. Die Wanderung dorthin und die Chöre haben mir gut gefallen, ich mag die traditionellen Lieder hier sehr gerne. Außerdem singen die Chöre mit mehr Lebendigkeit und tanzen viel. Wir konnten uns leider nicht alle Chöre ansehen, da wir vor der Dunkelheit wieder zu Hause sein wollten, aber es hat sich definitiv gelohnt.
Nach den Osterferien hat der 3. Term begonnen. In meiner letzten Rundmail habe ich geschrieben, dass ich die 5a, 5b und 6a in Expressive Arts unterrichten würde, aber der Plan hat sich Anfang der Ferien ein wenig geändert. Ich unterrichte jetzt die Klasse 6a in Mathematik und Expressive Arts und die Klasse 5a in Expressive Arts. Insgesamt sind das 20 Wochenstunden. Mir gefällt die Fächerkombination gut, da beide Fächer ihren Reiz haben. Außerdem mag ich die Klasse 6a sehr. Schon als ich in der ersten Stunde in den Klassenraum gekommen bin, haben die Kinder gejubelt und sich riesig gefreut. Manchmal sind sie auch laut und faul, aber insgesamt komme ich mit der Klasse wirklich gut klar. Ich bin froh über den Wechsel von der 4. Klasse zur 6. Klasse, da es auch sprachlich einfacher ist.
Am 25. März ist hier ein Container angekommen. Unter anderem enthielt er die Materialien für die Solaröfen, die die Schwestern zurzeit bauen. Es sind 4 Männer aus Deutschland gekommen, um die Solaröfen aufzubauen und funktionstüchtig zu machen. Die Öfen werden genutzt um Wasser zu heizen, das zum Kochen verwendet wird. Außerdem werden die Kochstellen umgebaut, sodass der Wirkungsgrad gesteigert wird und die Schwestern viel Holz einsparen können.
Am 28. April ist Nina für 2 Tage nach Madisi zu Besuch gekommen. Sie war letztes Jahr als Freiwillige hier und hat auch an der St Francis Primary School unterrichtet. Es war interessant sich mit ihr über Madisi und ihre Erlebnisse zu unterhalten, da wir den gleichen Arbeitsplatz und einen ähnlichen Bekanntenkreis haben/hatten. Manches hat sich innerhalb dieses Jahres verändert, aber vieles ist gleich geblieben.
Am 29. April bin ich mit Nina nach Lilongwe gefahren. Früher sind wir oft nur für einen Tag nach Lilongwe gefahren, da wir das Geld für die Unterkunft sparen wollten, aber da die Freiwilligen mir angeboten haben, dass ich bei ihnen übernachten kann, wenn ich wieder in Lilongwe bin, habe ich das Angebot angenommen und bin bis Sonntag geblieben. Am Samstag habe ich einen Freund aus Madisi zufällig in Lilongwe getroffen und er hat mich gefragt ob ich Lust hätte nachmittags mit zu dem Spiel Malawi – Südafrika U23 zu kommen. Da ich noch keine Pläne für den Nachmittag hatte und das Spiel gerne sehen wollte, bin ich mitgekommen. Malawi hat 2:1 gewonnen, aber sie sind leider trotzdem aus dem African Cup ausgeschieden. Ich werde euch demnächst noch mal Fotos schicken, unter anderem auch eines von dem Stadion. Der Eintritt für das Spiel betrug übrigens 1 Euro.
Am 13. Mai haben Christina und ich mit ein paar Freunden eine Geburtstagparty organisiert. Nach einem Gebet und ein paar kurzen Reden hat Resa eine Ballett-Vorführung gegeben und Christina und ich haben den Gästen einen Standardtanz vorgeführt. Wir hatten gehofft, dass die Malawier einen traditionellen Tanz zeigen würden, aber es hatte von ihnen leider keiner etwas vorbereitet. Danach wurde getanzt, bis Resa um 11 Uhr den Kuchen geholt hat. Nach einem Geburtstaglied haben wir den Kuchen angeschnitten und verteilt. Es gab auch gegrillte Ziege an diesem Abend, da das bei Feiern in Malawi üblich ist und wir eine malawisch-deutsche Feier machen wollten. Die Musik war überwiegend malawisch, vereinzelt gab es aber auch deutsche Lieder. Mit einer kleineren Gruppe haben wir sogar auf „Aloha heya“ gerudert. Gegen viertel vor 6 morgens habe ich Eier von zu Hause geholt, da wir noch Eierbacken wollten. Da Malawier nur mit Eiern nicht viel anfangen können, gab es auch noch Nsima und Gemüse, das wir in einer Küche neben dem Krankenhaus gekocht haben. Um 7:15 hat die Feier mit einem Abschlussgebet geendet.
Nachmittags sind Verena und Judith aus Ludzi gekommen, um unseren Geburtstag nachzufeiern. Sie konnten leider noch nicht am Freitag zur Party kommen, aber da am Montag frei war, sind sie bis Montag geblieben. Von Freitag bis gestern waren dann Larissa und Pauline aus Guilleme da. Als wir uns verabschiedet haben, ist uns bewusst geworden, dass wir uns vielleicht vor dem Abflug nicht mehr sehen werden. Pauline und Judith fliegen schon eine Woche früher als wir und da uns nicht mehr viele Wochenenden in Malawi bleiben, wissen wir noch nicht ob wir die anderen vor dem Abflug noch mal besuchen werden. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass mir gar nicht mehr viel Zeit in Malawi bleibt. Anfang Juli werden meine und Resas Eltern kommen, mit denen wir für 10 Tage in den Süden des Landes reisen werden. Unter der Woche arbeiten wir bis 17 Uhr und Wochenenden haben wir nur noch 11. Je näher ich dem Abflugtermin komme, desto mehr habe ich das Gefühl, dass die Zeit rennt… Deswegen muss ich jetzt meine Mail beenden, ich habe nicht mehr genug Zeit ;-)
Liebe Grüße,
Theresa6. Rundbrief vom 20. März 2011
Hallo ihr Lieben,
jetzt bin ich schon mehr als ein halbes Jahr hier, die Zeit ist echt schnell vergangen.
Am 4.2. hatten wir unser Zwischenseminar in der Nähe von Lilongwe. An den ersten beiden Tagen haben wir uns und unsere Projekte der Gruppe vorgestellt. Die Gruppe umfasste die 8 Freiwilligen aus Malawi, die von den Franziskanerinnen entsandt wurden, einen Freiwilligen aus Rumphi im Norden Malawis und 2 Freiwillige aus Namibia. Nachdem jeder sich und sein Projekt mit den zuvor gemalten oder geschriebenen Plakaten vorgestellt hatte, haben wir gemeinsam das Programm für die kommende Woche festgelegt.
Am Montag sind wir nach Mua gefahren und haben uns dort das Museum der „White Fathers“ angesehen. Es umfasst 3 Ausstellungsräume: Der erste Raum thematisiert die Missionarsgeschichte in Malawi und die christlichen Einflüssen auf die Kultur. Der 2. Raum befasst sich mit den Stämmen der Yao und der Ngoni, der 3. Raum mit dem Stamm der Chewa, nach dem die Landessprache Chichewa benannt ist. Da Mua in der Nähe des Malawisees liegt, haben wir den Nachmittag noch am See verbracht. Der Museumsbesuch hat mir sehr gut gefallen, weil ich viel über die malawische Kultur und die Stämme erfahren habe, was mir noch unbekannt war, da ich es bisher in Madisi noch nicht sehen/erleben konnte.
Das Zwischenseminar endete am 11. Februar. An den letzten beiden Tagen war für die Freiwilligen und Projektpartner ein gemeinsamer Seminarteil angesetzt. Es ging schwerpunktmäßig um den kulturellen Austausch, erst in der großen Gruppe, dann in Kleingruppen. Zu Beginn wurden 4 Plakate aufgehängt mit den Überschriften „Malawi“, „Indonesien“, „Indien“ und „Deutschland“. Indien wurde einbezogen, weil indische Schwestern anwesend waren, die für eines der Projekte zuständig sind. Dann wurde gesammelt, was wir an den jeweils anderen Kulturen überraschend oder irritierend finden. Es war für alle sehr interessant zu sehen, wie die anderen ihre Kultur wahrnehmen und erleben. In den Kleingruppen konnten wir uns noch intensiver über die unterschiedlichen Kulturen austauschen und erklären warum wir was wie machen – oder es zumindest versuchen zu erklären. Zum Teil war es schwierig ein bestimmtes, typisch deutsches Verhalten zu erklären, da die Denkweisen und Wertevorstellungen unserer Kulturen in manchen Punkten doch recht unterschiedlich sind und für den jeweils Anderen nicht unbedingt verständlich gemacht werden können.
Die einwöchige Auszeit war wirklich nützlich, da sie Zeit bot mit Abstand von dem Projekt und von unserer neuen Heimat über das vergangene halbe Jahr nachzudenken und sich bewusst zu machen, was man in dem kommenden halben Jahr noch erleben möchte, was bisher in den eigenen Augen zu kurz gekommen ist und welche Prioritäten man für die nächsten Monate setzen möchte. Außerdem war es sehr schön wieder zurück zu kommen. Wir waren vor dem Zwischenseminar noch nie für eine Woche oder länger an einem anderen Ort als Madisi, daher kam mir die Zeit meiner Abwesenheit in Madisi recht lange vor, obwohl es nur eine Woche war. Die Rückkehr hat sich so ähnlich angefühlt wie das Heimkehren nach einem Urlaub. Da ist mir erst bewusst geworden wie sehr Madisi doch schon zu meiner Heimat geworden ist. Besonders schön war auch der erste Arbeitstag nach dem Zwischenseminar. Viele Lehrer haben gesagt, dass sie sich freuen, dass wir wieder da sind und dass sie uns vermisst haben. Auch ich habe in dieser Woche öfter an die Lehrer gedacht und daran, dass ich jetzt eigentlich dort in der Schule arbeiten würde. Ich habe die Pause genossen, habe mich danach aber auch gefreut wieder in der Schule arbeiten zu können und sich endlich wieder mit den anderen Lehrern unterhalten zu können.
Kurz vor dem Zwischenseminar ist Schwester Raynelda aus ihrem Heimaturlaub in Indonesien wiedergekommen. Da sie Silberjubiläum hatte, haben wir dies gemeinsam (nach)gefeiert. Bald darauf kamen 2 Schwestern zu Besuch, die zurzeit in Rom arbeiten. Sie wollten sich das Projekt hier in Madisi ansehen und sind für 10 Tage in Malawi geblieben. Aus diesem Anlass haben alle 16 Klassen etwas vorbereitet. Es wurden Theaterstücke aufgeführt, Lieder gesungen und Gedichte vorgetragen. Es war schön zu sehen wie viel Mühe sich die Klassen gegeben haben und dass selbst die Kinder aus der ersten Klasse, deren Englischkenntnisse noch sehr begrenzt sind, eine gute Idee hatten wie sie ihren Wortschatz nutzen können, um den Schwestern etwas präsentieren zu können.
Am 26.2. haben wir mit ein paar Lehrern Teresas Geburtstag nachgefeiert, das war eine wirklich schöne und lustige Feier. Die Gäste waren sehr begeistert von unserem Marmorkuchen, sodass wir uns demnächst noch ein Mal treffen wollen, um zusammen einen Kuchen zu backen. Ich bin mir noch nicht sicher ob er uns in einem Topf über einem Feuer gelingen wird, aber wir werden es einfach mal ausprobieren. Der „African Cake“ wird schließlich auch so gebacken.
Seit dem Zwischenseminar hat sich mein Aufgabenbereich etwas geändert. Ich unterrichte nicht mehr in der 4. Klasse Mathematik, sondern das Fach „Expressive Arts“ in der Klasse 6a. Expressive Arts umfasst Musik, Kunst, Sport, Theater, Handarbeit und traditionelle Tänze. Bei manchen Themen (zum Beispiel traditionelle Tänze) wissen die Kinder deutlich mehr als ich, aber da wir Lehrbücher haben und die anderen Lehrer um Hilfe fragen können ist das kein Problem.
Statt 4 Stunden pro Tag unterrichte ich jetzt nur noch eine pro Tag, arbeite aber in anderen Bereichen noch mehr. Montags morgens gehe ich in den Kindergarten, nachmittags geben wir Flötenunterricht für die Lehrer, mittwochs und freitags nachmittags gebe ich ein paar Schülern aus der 6. Klasse in Mathe Nachhilfe und donnerstags nachmittags helfe ich im Homecraft-Center. Außerdem gibt es nebenher noch viel zu tun, meistens können wir entweder Schwester Raynelda oder anderen Lehrern helfen, wenn wir nicht gerade unterrichten oder den Unterricht vorbereiten. In 2 Wochen werden Abschlusstests geschrieben, dann werden wir wieder beim Korrigieren, Noten eintragen, Durchschnitte ausrechnen, stempeln und Zeugnisse schreiben helfen.
Ab dem 8. April haben wir für 2 Wochen Ferien. Danach beginnt der 3. Term, in dem ich neben Expressive Arts in der 6a noch Expressive Arts in der 5a und 5b unterrichten werde.
Vor 4 Tagen war ich zum ersten Mal beim Volleyball-Training in der Secondary School. Ich habe vor kurzem erfahren, dass es dort eine Mannschaft gibt, die 2 Mal pro Woche trainiert und da ich mich gerne wieder sportlich betätigen möchte, habe ich die Chance genutzt. Ich werde dort demnächst regelmäßig hingehen und mit ihnen Volleyball spielen.
Da ich noch nicht weiß, ob ich vor Ostern noch eine Rundmail schreiben werde wünsche ich euch schon jetzt frohe Ostern und ein paar schöne Feiertage.
Liebe Grüße aus Malawi,
Theresa
5. Rundbrief vom 15. Januar 2011
Hallo ihr Lieben,
jetzt möchte ich mich endlich mal wieder melden.
Wie i
ch schon in
meiner letzten Mail geschrieben habe war am 10.12. der erste Term zu Ende. An
diesem Tag sind die anderen Freiwilligen aus Ludzi und Guillime gekommen, um
uns über das Wochenende zu besuchen. Es war wirklich schön, wir haben uns viel
unterhalten, musiziert und Blackstories gespielt.
In der Woche danach waren Teresa und ich von Montag bis Donnerstag in der Schule beschäftigt und haben bei den noch anstehenden Arbeiten geholfen (Registerbücher einbinden, Hefte für die Waisenkinder abstempeln, Wolle für das Homecraftcenter sortieren usw.). Am Freitag war unser erster Tag im Krankenhaus. Als wir in den Kreißsaal kamen, haben wir direkt eine Zwillingsgeburt gesehen. Leider haben wir den ersten Zwilling verpasst, aber dafür haben wir später noch mal eine Zwillingsgeburt gesehen. Die meiste Zeit unserer 3 Tage im Krankenhaus waren wir im Kreißsaal. Das Miterleben einer Geburt und die Einblicke in die Arbeit im Krankenhaus waren für mich sehr interessant, aber ich habe auch gemerkt, dass ich lieber in der Schule arbeite als im Krankenhaus.
Am Mittwoch hatten wir eine Weihnachtsfeier mit dem Schulpersonal. Es wurde gesungen, gebetet, aus der Bibel gelesen, Reden gehalten, gegessen und zum Schluss haben die Lehrer noch Geschenke von den Schwestern bekommen. Und dann war auch schon fast Weihnachten. Am 23.12. haben Teresa, Christina und ich uns einen weihnachtlichen Abend in dem von Teresa passend dekorierten Wohnzimmer gemacht. Am nächsten Tag war um 18 Uhr Gottesdienst, der schönste Gottesdienst, den ich hier bisher erlebt habe. Normalerweise tanzen die meisten Menschen hier auch nicht in den Gottesdiensten, aber an diesem Tag haben fast alle getanzt und als eine Frau das Evangelium in einem Korb auf dem Kopf nach vorne getanzt hat, haben die Menschen gejubelt und gepfiffen. Es war ein sehr freudiger und lebhafter Gottesdienst. Ich war erstaunt, als ich in der Kirche einen Tannenbaum gesehen hatte – somit habe ich dieses Jahr Weihnachten doch nicht ohne Tannenbaum feiern müssen.
Nach der Messe haben wir Heiligabend bei den Schwestern verbracht. Zuerst gab es Bescherung, danach haben wir uns noch länger unterhalten. Es war ein schöner und gemütlicher Abend. Am nächsten Morgen haben wir um 10:30 Uhr den Gottesdienst besucht. Dieser war nicht so lebhaft wie der am Vorabend, aber er war für mich trotzdem besonders, da wir zum ersten Mal an den „Offerings“ beteiligt waren. Wir haben zusammen mit einigen Lehrern Gaben für den Priester nach vorne getanzt. An diesem Tag wurde das Evangelium nicht nur in einem Korb nach vorne getanzt, sondern von einem Kind gehalten. Dieses Kind, das mit dem weißen Kleid und einer Blumenspange im Haar total niedlich aussah, saß in einem Korb auf dem Kopf einer Frau und hat ab und zu das Evangelium in die Höhe gehalten, woraufhin die Gemeinde in Jubel ausgebrochen ist. Am nächsten Tag sind Christina und ich nach dem Gottesdienst zu einem Konzert der „Black Missionaries“, einer der bekanntesten Reggae-Bands Malawis, gefahren. Das Konzert hat mir gut gefallen, die Anzahl der Besucher hat mich allerdings erstaunt. Um halb 3, als das Konzert beginnen sollte, waren geschätzte 25 Leute dort. Später kamen noch deutlich mehr – malawische (Un)Pünktlichkeit – aber die Anzahl der Besucher ist nicht zu vergleichen mit einem Konzert einer ähnlich berühmten Band in Deutschland. Nach dem Konzert sind wir nach Lilongwe gefahren und haben uns von dort aus nach einer Übernachtung in Richtung Ludzi aufgemacht. Dort haben wir bis zu dem 30.12. die anderen Freiwilligen besucht.
Am 31.12. haben wir mit den Mitarbeitern der Schule und ihren Familien Silvester gefeiert. Der Beginn der Feier war auf 18 Uhr angesetzt, aber es hat natürlich erst später begonnen. Zuerst gab es ein paar kurze Reden, ein Gebet und danach wurde gegessen. Als alle Gäste satt waren begann das Unterhaltungsprogramm. Die Lehrer hatten 2 Dramen vorbereitet. Da ich bei der Probe nicht viel Zeit hatte und im Besitz eines Fotoapparates bin, habe ich bei einem der Dramen die Rolle eines Journalisten übernommen, der während eines Interviews nur Fotos gemacht hat. Ich musste schmunzeln, als ich am 31.12. gegen 11 Uhr zur Dramaprobe gegangen bin und festgestellt habe, dass es die erste Probe ist und dass den Lehrern gerade das erste der beiden Stücke zusammengefasst wird, das von einem der Lehrer „geschrieben“ wurde (ich bin mir nicht sicher ob er es sich nur ausgedacht oder auch schriftlich verfasst hat, daher die Anführungszeichen). Da ich wegen des Mittagsessens früher gehen musste, weiß ich nicht wie die Probe noch abgelaufen ist, aber in Anbetracht der Tatsache, dass bis 18 Uhr nur noch 7 Stunden Zeit waren und die Lehrer zwischendurch nach Hause gegangen sind, vermute ich, dass die Texte mehr improvisiert als auswendig gelernt waren. Es erstaunt mich immer wieder, wie spontan hier vieles abläuft. Aber es hat funktioniert, die beiden Dramen haben mir wirklich gut gefallen. Danach gab es ein paar Spiele und dann wurde getanzt. Um 12 Uhr haben alle ihre Gläser erhoben und einer der Lehrer hat das neue Jahr mit „welcome 2011“ begrüßt. Um 4:30 Uhr bin ich dann müde nach einer wirklich schönen Feier nach Hause gegangen und habe… geschlafen.
Nach diesen kurzen Ferien hat unser Arbeitsalltag am 4.01.2011 wieder begonnen. Für mich hat sich in diesem Term noch nichts geändert, ich unterrichte weiterhin die Klassen 4 A und 4 B in Mathematik. Das war es fürs erste an Neuigkeiten.
Bis bald,
Theresa
Die Einleitung zum neuen Rundbrief ist klasse - der Übergang von Herbst zum Winter!! Was uns wohl noch alles erwartet :)
Man merkt eben, wie komplizierte es ist, eine Mail auf die Piste zu bringen!
4. Rundbrief vom Dezember 2011
Hallo ihr Lieben,
während bei euch der Herbst in den Winter übergeht befinden wir uns in Malawi in der Regenzeit. In der Nacht vom 20. auf den 21. November hat es zum ersten Mal seit unserer Ankunft geregnet. Christina und ich waren an dem Sonntag einkaufen und sind auf dem Rückweg in einen Regenschauer geraten. Als wir ins Haus kamen, hatte Teresa schon Tee gekocht und wir haben uns ins Wohnzimmer gesetzt, geredet und dem Regen gelauscht. In Deutschland hätte ich nicht gedacht, dass Regen so schön sein kann =) Vor allem genieße ich die Abkühlung, die der Regen mit sich bringt. Die Länge der Regenschauer ist kürzer als ich gedacht hatte, es regnet oft nur eine Stunde am Tag, manchmal auch gar nicht.
Am 6. November waren wir zum ersten Mal am Malawisee. Die Fahrt, die 5 Stunden dauerte, war ziemlich anstrengend, aber die Zeit am See war sehr schön und entspannt. Unsere Unterkunft lag direkt am Strand, der nicht überlaufen von Touristen war, sondern überwiegend von den Einheimischen genutzt wurde, um zu fischen, zu waschen oder (für die Kinder) um zu spielen. Es war eines der letzten Wochenenden, die wir mit Julie verbringen konnten. Am letzten Abend mit Julie (12. November) hat sie uns erzählt, dass sie im Februar wieder kommt. Zwar nicht nach Madisi – wie ursprünglich geplant – aber nach Lilongwe. Wir freuen uns schon sie in ein paar Monaten wieder zu sehen auch wenn wir uns nicht mehr so oft treffen können wie in der Zeit als sie noch in Madisi wohnte.
Da Mitte November ein Besucher zu den Schwestern gekommen ist und auf seinem Rückflug nach Deutschland Briefe von uns mitnehmen konnte, habe ich schon Anfang November begonnen Weihnachtskarten zu basteln. So früh habe ich noch nie begonnen – und auch nicht bei so einer Hitze. Heute ist der erste Advent, aber ich bin immer noch nicht richtig in Weihnachtsstimmung. Vieles, was ich in Deutschland mit Weihnachten verbunden habe, fehlt hier: Kälte, Schnee, Plätzchen backen, Weihnachtsmarkt und natürlich meine Familie. In der Kirche werden nicht die mir bekannten Advents- und Weihnachtslieder gesungen, es gibt keinen Adventskranz, keinen Adventskalender, Lichterketten oder einen Tannenbaum. Das, was Weihnachten in allen Ländern der Welt verbindet, was universal gültig ist, ist die Botschaft, die Kunde von der Geburt Jesu. Die Art Weihnachten zu feiern und zu erleben ist allerdings sehr unterschiedlich.
Am 13. November sind Teresa, Christina und ich nach Ludzi gefahren. Dort haben wir zusammen mit Verena, Judith, Pauline, Larissa und David, den anderen Freiwilligen, die mit den Franziskanerinnen von Salzkotten ausgereist sind, Paulines und Verenas Geburtstag nachgefeiert. Am nächsten Tag sind wir noch nach Guilleme gefahren, wo Pauline, Larissa und David untergebracht sind. Die Orte Ludzi und Guilleme liegen recht nah beieinander, sodass sich die Freiwilligen dort öfter besuchen können. Es war sehr interessant sich über unsere Erfahrungen in Malawi auszutauschen und die anderen Projekte zu sehen. Am 11. Dezember planen die anderen uns zu besuchen.
Da Mr Mandela erst nach seinem Referendariat wieder an der St Francis Primary School arbeiten wird haben die Schwestern zwei neue Lehrer eingestellt. Als die beiden den ersten Tag in der Schule waren, ist mir bewusst geworden wie lange ich nun schon dort unterrichte. Mittlerweile kenne ich die Schule und die Arbeit in der Schule gut, wohingegen die beiden neuen Lehrer alles noch kennen lernen mussten.
Morgen ist auch der erste Term zu Ende. Vorletzte Woche und Anfang letzter Woche war in der Schule „Wiederholungswoche“, in der die Kinder auf die Tests, die am 1., 2. und 3. Dezember stattfanden, vorbereitet wurden. Inhaltlich umfassten die Tests alle Themen, die in diesem Term unterrichtet wurden. Diese Woche haben wir Noten ausgerechnet und in Register eingetragen, Zeugnisse geschrieben, in den Registern anderer Lehrer überprüft ob sie die Durchschnittsnote richtig ausgerechnet haben, Schulstempel unter die Zeugnisse gesetzt usw. Meine beiden Klassen haben ganz gut abgeschnitten, es gab zwar auch ein paar Kinder mit schlechten Noten, aber viele von ihnen waren gut. Morgen ist der letzte Schultag, an dem die Eltern mit ihren Kindern kommen und auf den Zeugnissen unterschreiben. In den Schulferien werden Teresa und ich im Krankenhaus arbeiten. Dazu werde ich euch dann in der nächsten Mail mehr schreiben.
Liebe Grüße aus Malawi,
Theresa
3. Rundbrief vom November 2011
Hallo ihr Lieben,
während ihr in Deutschland friert setzt uns das andere Extrem zu: Die Hitze. Oktober ist der heißeste Monat des Jahres. Ich freue mich schon auf die Regenzeit, die bald beginnen und die Temperatur etwas abkühlen wird. Außerdem wird dann alles grün und blüht, landschaftlich ist es hier wohl in der Regenzeit am schönsten.
Neben der Hitze hatte ich in den letzten Tagen mit einer Grippe zu kämpfen. In Deutschland verbreiten sich die Grippe-Viren besonders stark im Winter, aber hier ist das Gegenteil der Fall, sie verbreiten sich vermehrt in der heißesten Zeit. Auch wenn die Vermutung nahe liegt, dass es Malaria sein könnte, kann ich euch beruhigen. Schwester Veronika hat am Donnerstag direkt einen Test gemacht und der ist negativ ausgefallen. Heute geht es mir auch schon wieder gut, ich glaube ich habe die Krankheit überwunden.
Seit meiner letzten Rundmail ist einiges passiert. Am 4. Oktober wurde mit allen Schülern der Franziskustag gefeiert. Mir hat die Feier sehr gut gefallen, es begann mit einem Gottesdienst, in dem der Dramaclub das Leben des Heiligen Franziskus nachgespielt und der Chor gesungen hat. In der Zeit vor dem Franziskustag fanden nachmittags immer die Drama- und Chorproben statt. Da ich an den Chorproben teilgenommen habe, kannte ich alle Lieder und konnte gut mitsingen. Während der Gottesdienste am Sonntag ist das manchmal schwierig, weil nur wenige Leute ein Gesangsbuch besitzen und deshalb die Nummern oft nicht angesagt werden. Außerdem singen die Chöre manchmal auf die gleichen Texte verschiedene Melodien, weil in den Gesangsbüchern zwar die Texte, aber keine Noten stehen.
Nach dem Gottesdienst am Franziskustag haben erst die Schüler Mittagessen bekommen und nachdem wir Lehrer das Essen ausgeteilt hatten, durften auch wir essen. Es war schön zu sehen wie sich die Kinder über das Essen gefreut haben, weil es Fleisch gab und viele von ihnen nicht oft Fleisch essen können.
Mittlerweile haben wir mit den Schwestern schon 2 Taizé Gebete gemacht. Resa und ich sind sehr begeistert von Taizé und den Liedern, deshalb haben wir den Schwestern vorgeschlagen, dass wir ein Taizé-Gebet für sie organisieren könnten. Ich denke wir werden das in Zukunft öfter mal machen, da es uns und den Schwestern gut gefallen hat und die Lieder wirklich schön und einfach zu lernen sind.
Kurz nach dem Franziskustag mussten wir uns von Mr Mandela verabschieden. Er war unserer Chichewa-Lehrer und einer der Lehrer, mit denen wir uns am besten verstanden haben. Am Anfang stand noch nicht fest, dass er uns dieses Jahr verlassen würde, weil er die Ergebnisse seiner Prüfung am College abwarten musste, aber im Oktober hat er erfahren, dass er bestanden hat und macht jetzt eine Art Referendariat in einer anderen Stadt. Hier können nicht alle Lehrer zum College gehen, weil es teuer ist, aber die Schwestern ermöglichen jetzt von Jahr zu Jahr einem, vielleicht später auch zwei Lehrern zum College zu gehen.
Es war ein komisches Gefühl schon wieder Abschied nehmen zu müssen, wo wir doch gerade erst seit ein paar Wochen hier waren und der große Abschied von zu Hause noch so nah war, aber da Mr Mandela ein Mal im Monat nach Hause kommen möchte ist es kein Abschied für immer. Am Samstag war er wieder in Madisi und wir haben uns kurz mit ihm getroffen, das war echt schön.
Bald steht auch der Abschied von Julie an. Sie kommt aus Kenia und war von Februar bis jetzt hier in Madisi in einem HIV-Projekt tätig. Mitte November wird sie zurück nach Kenia fliegen und hofft, dass sie im Februar wieder hierher kommen und ihr Projekt fortführen kann. Sie ist die Person, mit der wir uns am meisten getroffen haben. Wir waren jede Woche mindestens ein Mal abends bei ihr und haben gemeinsam gekocht, mal deutsch, mal kenianisch und manchmal auch einfach spontan-kreativ-improvisiert. Am Wochenende sind wir öfter mit ihr zu HIV-Kampagnen gefahren, bei denen Aufklärungsarbeit geleistet und Menschen getestet wurden. Ich hoffe, dass sie im Februar wieder kommt, weil wir uns ziemlich gut mir ihr verstehen und sie uns in ihrem Denken und ihren Meinungen oft ähnlicher ist als die Malawier, zum Beispiel was die Stellung der Frau in der Gesellschaft und in der Familie angeht, aber auch bei einigen anderen Themen.
In der Schule gibt es nicht viel Neues. Ich unterrichte immer noch die Klassen 4 A und 4 B in Mathematik und schreibe monatlich die beiden vorgeschriebenen Tests. Die Tests fallen ganz gut aus, ich kann allerdings nicht einschätzen wie viele der Kinder abschreiben. Eigentlich versuchen die meisten Kinder ihre Nachbarn nicht abschreiben zu lassen, nicht nur in Tests, sondern auch im „normalen“ Unterricht. Wenn ich die Aufgaben in den Heften kontrolliere schließen viele ihre Hefte sobald ich sie kontrolliert habe und halten sie beim Schreiben manchmal so, dass der Nachbar auf keinen Fall das Geschriebene sehen kann. In den kleinen Klassenräumen lässt sich das Abschreiben aber oft nicht verhindern, weil sich auch während der Tests 2-3 Schüler eine kleine Bank + Tisch teilen und so eng sitzen, dass man nicht sieht ob jemand abschreibt oder nicht.
Unsere Blockflöten-AG hat jetzt nicht mehr das Problem, dass zu viele Schüler kommen, sondern das Gegenteil: Es kommen zu wenige. Letztes Mal ist ein einziges Mädchen gekommen und die war auch im Dramaclub, der für eine Vorführung jeden Tag geübt hat, sodass wir sie nach kurzer Zeit zum Dramaclub schicken mussten. Da dieses Mädchen bisher jedes Mal gekommen ist, hat sie schon gute Fortschritte gemacht, aber es gibt nur wenige Kinder, die regelmäßig kommen. Es ist schwierig den Kindern mehr beizubringen, wenn immer wieder andere Kinder kommen und man jedes Mal von vorne (wie hält man eine Flöte, wie muss man die Löcher schließen etc.) beginnen muss. Vielleicht wird es diese Woche besser, weil der Dramaclub jetzt nicht mehr jeden Tag, sondern nur noch freitags übt, sodass die Mitglieder dieses Clubs zur Blockflöten-AG kommen können, wenn sie möchten. Wir haben auch schon einigen Lehrern erste Blockflötenstunden gegeben und manche von ihnen können schon eine ganze Tonleiter spielen. Ich glaube es ist gut wenn ein paar Lehrer Blockflöte spielen können, da sie die AG weiterführen könnten, wenn Resa und ich wieder nach Deutschland fliegen und die nächsten MaZ’ler nie Blockflöte gespielt haben oder kein Interesse an dieser AG haben.
Das war’s von mir, ganz liebe und warme Grüße aus Malawi ins kalte Deutschland,
Theresa
2. Rundbrief vom 25.09.2010
Hallo ihr Lieben,
jetzt bin ich schon länger als einen Monat in Malawi, die Zeit ist
echt schnell vergangen. Seit meiner letzten Mail ist einiges passiert, unter
Anderem mein erster Schultag. Ich hatte gedacht, dass wir erst mal bei einem
Lehrer zugucken, um zu sehen, wie hier in Malawi der Unterricht abläuft, aber
ich habe direkt am 1. Schultag die ersten beiden Stunden alleine unterrichtet.
Es war schon ein komisches Gefühl, vor einer Klasse mit 75 Kindern zu stehen
und mit ihnen den Zahlenraum bis 1 000 zu wiederholen ohne zu wissen, welche
Lernmethoden hier üblich sind, wie die Lehrer normalerweise ihren Unterricht
gestalten, wie viel Vorwissen die Kinder haben und wie schnell die Kinder
lernen.
Es hat mich erstaunt, wie gut meine ersten Unterrichtsstunden in beiden Klassen geklappt haben, aber ich habe irgendwann gemerkt, dass viele Kinder nicht verstanden haben, was ich ihnen beibringen wollte. Das lag zum einen daran, dass die Kinder noch nicht gut Englisch sprechen können und Probleme mit meinem Akzent hatten. Zum anderen war ich viel zu schnell. Da ich schon seit meiner Grundschulzeit keinen Unterricht in den ersten Klassen mehr gesehen habe und ich noch zu sehr den Unterricht in der Oberstufe im Kopf hatte, bei dem wir recht schnell ein Thema nach dem anderen abgearbeitet haben, ist es mir am Anfang sehr schwer gefallen, jedem Thema mehr Zeit zu geben und alles mehrfach zu wiederholen. Mittlerweile habe ich mich schon mehr daran gewöhnt, dass ich jedem Thema mehr Zeit einräumen muss. Nach zwischenzeitlichen Enttäuschungen, dass die Schüler einfach nicht verstehen, was ich von ihnen will, war ich sehr erleichtert als viele der Schüler bei einem Test, den ich letzte Woche Freitag geschrieben habe, gut abgeschnitten haben. Das hat mir gezeigt, dass ich die Themen immer wieder wiederholen und mit ihnen üben muss, aber dass die Kinder dann auch dazu in der Lage sind, die Aufgaben zu lösen. Mit manchen Themen haben sie keine großen Probleme wie zum Beispiel Zahlen identifizieren, addieren oder in einen Abakus zeichnen, wohingegen Vielen das Ordnen von Zahlen in aufsteigender oder absteigender Reihenfolge und das schriftliche Subtrahieren schwer fallen.
Mit den Lehrern verstehen wir uns gut, auch wenn wir viele noch nicht richtig kennen lernen konnten, da nur wenig Zeit bleibt, um sich zu unterhalten. Morgens unterrichten die Lehrer und nachmittags müssen sie den Unterricht vorbereiten oder leiten Clubs, aber zwischendurch ist immer ein bisschen Zeit für Gespräche.
Die Arbeit in der Schule nimmt die meiste Zeit in Anspruch. Wir gehen morgen um kurz vor 7 zur Schule und kommen abends um 5 Uhr nach Hause. Mittags haben wir eine 2-stündige Pause. Neben meinen 4 Stunden Matheunterricht pro Tag müssen wir im Lehrerzimmer unseren Unterricht vorbereiten, einen Lessonplan für die nächste Unterrichtsstunde schreiben, Materialien vorbereiten, Hefte kontrollieren, Tests korrigieren und benoten. Es dauert ziemlich lange 150 Tests mit jeweils 8 Aufgaben nachzugucken, zu benoten und dann zu versuchen, den Namen auf dem Blatt zu entziffern und in einer Liste zu finden. Oft wissen die Kinder selbst nicht wie sie geschrieben werden oder schreiben nur ihren Vor- oder Nachnamen auf das Blatt…
Dienstagnachmittags werden Resa und ich eine Blockflöten-AG machen. Bei unserer ersten Stunde hatten wir viel zu viele Kinder, deswegen machen wir demnächst 3 Gruppen à 10 Leute, die jeweils für eine halbe Stunde kommen. Ab und zu werde ich für die schlechteren Schüler Nachmittagsunterricht anbieten und vielleicht bei anderen AGs (Sport oder Kunst) zugucken bzw. mithelfen.
Sonntags gehen wir morgens in die Kirche, essen mittags und abends bei den Schwestern und machen dann oft noch Spiele- oder Musikabende, dienstags und donnerstags haben wir abends von halb 6 bis halb 7 Chichewa-Unterricht und mittwochs gehen wir um 6 Uhr zu dem Gebet der Schwestern und essen abends mit ihnen. Christina und ich haben uns vorgenommen jeden zweiten Tag morgens zu joggen und dienstags morgens werde ich um 5:50 Uhr mit dem Schulbus in die Dörfer fahren, um die Schulkinder abzuholen, die aus weiter entfernten Dörfern kommen. Ab und zu besuchen wir abends noch Leute und kochen gemeinsam oder wir singen/musizieren, reden, lesen, gehen spazieren…
Bis bald, liebe Grüße,
Theresa
1. Rundbrief Anfang September 2010
Hallo ihr Lieben,
muli bwanji? Wie geht es euch? Ich bin am Mittwoch (18. August) gut in Malawi angekommen. Meinen ersten Flug habe ich ohne Probleme überstanden, ich war aber auch froh, as ich endlich aus dem Flugzeug aussteigen und malawischen Boden betreten konnte. In Malawi angekommen wurden wir von den Schwestern mit dem Schulbus (einem umgebauten LKW) abgeholt und nach Madisi gefahren.
Unser Haus gefällt mir gut, auch wenn wir zurzeit selten fließendes Wasser haben und der Strom abends öfter mal ausfällt. Mit den Wachhunden habe ich mich noch nicht so ganz anfreunden können, Nkango (= Löwe) ist mir zu groß und stürmisch. Bis heute Morgen war Eva, eine der letzten Freiwilligen, noch mit in unserem Haus einquartiert. Normalerweise ist es nicht üblich, dass noch ein „ehemaliger“ MaZ’ler hier ist, wenn die neuen kommen, aber ich bin froh, dass es bei uns so ist. Durch Eva haben wir schon einige Kontakte knüpfen können. Außerdem hat sie uns viel gezeigt, erklärt und Tipps gegeben.
Bisher haben wir uns mit Eva Madisi und Umgebung angeguckt, wir waren am 20./21.08. in Lilongwe, der Hauptstadt Malawis, haben die Abschlussfeier der 8. Klasse der St. Francis Primary School vorbereitet und miterlebt. Zwischendurch haben wir mit Eva ein paar Familien / Personen besucht und waren auf ihrer Abschiedsparty. Gestern haben Resa und ich die Arbeit in der Schule und Christina die Arbeit im Krankenhaus begonnen. In der Schule fanden die Einschulungstests für die zukünftigen Erstklässler und die Einstufungstests für die Schüler, die von einer anderen Schule zu St. Francis wechseln wollten, statt. Resa und ich konnten bei dem Einstufungstest für die 6./7. Klasse mithelfen und haben Aufgaben mit einem Lehrer zusammen ausgewählt, an die Tafel geschrieben und nachher korrigiert. Nachmittags saßen wir im Lehrerzimmer und haben den Unterrichtsplan für den ersten Term aufgeschrieben. Am Montag beginnt hier das neue Schuljahr. Resa wird Expressive Arts und ich Mathe in der 4. Klasse unterrichten. Ich bin schon gespannt, wie die ersten Unterrichtsstunden ablaufen und ob alles so klappt, wie ich es in den Unterrichtsplan geschrieben habe.
Ein sehr schönes Erlebnis war unser erster Spaziergang in das nahe gelegene Dorf. Eva und die anderen Freiwilligen waren dort sonntags oft um mit den Kindern zu spielen. Als wir in die Nähe des Dorfes kamen, rannten die vielen Kinder auf uns zu und wollten umarmt werden. Ein paar versuchten auch mit uns auf Chichewa zu reden, aber wir konnten leider nicht viel verstehen. Dort habe ich mir fest vorgenommen, bald besser Chichewa zu lernen, sodass die Verständigung mit den Kindern und den Erwachsenen, die kein englisch können, möglich wird. Im Krankenhaus und in der Schule spricht das ganze Personal englisch, was für den Anfang sicherlich gut ist. Um Chichewa zu lernen, werden wir 2x in der Woche Chichewa Unterricht bei einem der Lehrer nehmen, weil es schwierig ist nur mit einem Buch zu lernen. Ich hoffe mal, dass wir schnell Fortschritte machen werden und nicht erst gegen Ende gute Gespräche auf Chichewa möglich sind.
Auch die Begegnungen mit den Menschen hier sind sehr schön. Mit manchen haben wir uns schon länger unterhalten, anderen nur hallo gesagt, aber jedes Mal begegneten uns die Menschen sehr warmherzig und freundlich. Die Kinder rufen oft „azungu“ (Weiße), aber sie meinen das nicht böse oder abwertend, sondern freuen sich meistens und kommen angerannt. Auch die Schwestern sind nett und haben uns hier gut aufgenommen, wir haben uns schon am ersten Tag zu Hause gefühlt.
Soviel erst mal von mir, ihr werdet demnächst mehr erfahren.
Viele Grüße aus dem warmen Herzen Afrikas =)
Theresa